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Die Elektromobilität nimmt deutlich an Fahrt auf. Versorgungslücken bei wichtigen Rohstoffen, allen voran Lithium, könnten den Trend jedoch spürbar bremsen.

Der Markt für Elektrofahrzeuge boomt und damit die Nachfrage nach Antriebsbatterien. Einer aktuellen Prognose des Branchendienstes Benchmark Mineral Intelligence zufolge soll – basierend auf den Plänen der Batteriehersteller – die weltweite Produktionskapazität bis 2030 auf über 6 Terawattstunden (6.000 GWh) anwachsen. Das reicht für etwa 109 Millionen Elektrofahrzeuge. Allerdings schätzen die Analysten, dass tatsächlich nur etwa 70 Prozent der geplanten Gigafactories auch produzieren werden, und das mit einer durchschnittlichen Kapazitätsauslastung von ebenfalls 70 Prozent. Das würde dann gerade einmal gut 50 Millionen E-Mobile bewegen. McKinsey erwartet jedoch alleine in der EU bis 2030 mehr als 70 Millionen Elektrofahrzeuge. Will man die e-mobilen Ziele also erreichen, muss die Produktion von Lithium-Ionen-Batterien weltweit hochgefahren werden.

Mangelware Lithium

Derzeit wächst die Batteriekapazität allerdings schon doppelt so schnell wie das Lithium-Rohstoffangebot. Die bis 2030 benötigten 6 Terawattstunden Produktionskapazität würden laut Benchmark rund 5 Millionen Tonnen Lithium erfordern. Die Lithiumproduktion betrug im vergangenen Jahr jedoch lediglich 480.000 Tonnen Lithiumkarbonatäquivalent (LCE). Nach der aktuellen Allianz Trade Studie entstünde bis 2030 eine Lücke von über 500.000 Tonnen Lithiumkarbonat. Eine Lücke, die mit milliardenschweren Investitionen schnell geschlossen werden muss. Denn Lithium kommt zwar in ausreichenden Mengen vor, seine Gewinnung aber – etwa aus Sole – ist ein langer, energieintensiver und kostspieliger Prozess.

Der lohnt sich aber mittlerweile. Schließlich gehen die Lithiumpreise durch die Decke und der jahrelange Preisverfall bei E-Autobatterien hat sich auch dadurch deutlich umgekehrt. Im weltweiten Durchschnitt kostete Lithiumkarbonat in Batteriequalität im März nach Daten von Benchmark Minerals rund 60.000 Dollar pro Tonne – eine Verdoppelung gegenüber Ende 2021. Und der Krieg in der Ukraine verschärft diese Dynamik zusätzlich.

Hohe Preise und eingeschränkte Verfügbarkeit werden den Trend zu Elektromobilität zwar nicht aufhalten, können ihn aber verlangsamen, so die Analysten von Roland Berger. In ihrer neuen Studie „The Lithium-Ion (EV) battery market and supply chain“ beziffern sie das jährliche Wachstum des weltweiten Marktes für Lithium-Ionen-Batterien bis 2030 auf 30 Prozent.

Lithium-Ionen Batterie-Markt Quelle Roland Berger

Die weltweite Nachfrage nach Lithium-Ionen-Batterien erreicht 2030 über 3100 GWh.

Gleichzeitig sehen sie aber eine ganze Reihe von Risiken entlang der Lieferkette:

  1. Geopolitische Faktoren: Der Abbau und die Verarbeitung wichtiger Ressourcen wie Lithium konzentriert sich auf eine kleine Anzahl von Ländern.
  2. ESG: Batterieherstellung hat erhebliche ökologische und soziale Auswirkungen. So verbraucht die Gewinnung von Lithium große Mengen an Wasser und einige Produktionsprozesse stoßen hohe Volumina an CO2 aus.
  3. Preis: Neben den schwankenden Preisen für die Rohstoffe sind die Kosten für zusätzliche Produktionskapazitäten in der Wertschöpfungskette "Minen bis Zelle" zu beachten. Für die nächsten acht Jahre wird ein Kapitalbedarf in Höhe von 250 bis 300 Mrd. EUR prognostiziert, von dem ein Drittel für die Deckung des europäischen Bedarfes entfallen.

Recycling, Regionalisierung und vertikale Integration

Um Engpässe zu vermeiden und Kostenexplosionen entgegen zuwirken, sind Änderungen in der gesamten Lieferkette erforderlich. So kann etwa den Analysten von Roland Berger zufolge auf Produktionsebene ein integrierter Ansatz zwischen Metallurgie und Chemie kostendämpfend wirken. Und eine stärkere Regionalisierung und gemeinsame Standortwahl für mehrere Schritte in der Batterieherstellung geopolitische sowie ESG-Risiken verringern. Geht es nach der EU-Kommission soll bis 2025 schon 80 Prozent des europäischen Lithium-Bedarfs aus europäischen Quellen gedeckt werden. Große Vorkommen gibt es in Spanien, Portugal, Serbien und hierzulande im Rheingraben.

Neben dem Abbau wird außerdem ab Ende des Jahrzehnts das Thema Recycling eine zunehmend wichtige Rolle spielen. Regulatorische Maßnahmen zwingen dann Unternehmen über die gesamte Wertschöpfungskette eine Kreislaufwirtschaft für Batterien einzuführen.