IoMT: Die vernetzte Gesundheit
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IoMT: Die vernetzte Gesundheit

Das Internet of Medical Things (IoMT) eröffnet dem Gesundheitswesen enorme Potenziale in Hinblick auf Kosten, Versorgung und Personaleinsatz. Um sie zu heben führt jedoch kein Weg an einem „intelligenten“ Datenmanagement vorbei.

Der Siegeszug des Internet of Things (IoT) hat auch vor der Medizin nicht Halt gemacht. Unter dem Label IoMT (Internet of Medical Things) soll es maßgeblich helfen, die Herausforderungen der Gesundheitssysteme zu bewältigen. Und die sind gewaltig: Schätzungen zufolge gehören bis 2050 in Deutschland über zwanzig Millionen Menschen zur Generation 65 plus, und das bei steigender Lebenserwartung. Die Folgen: Explodierende Kosten in der Gesundheitsversorgung und ein rasant zunehmender Mangel beim Gesundheitspersonal. Denn steigendes Lebensalter geht mit einer drastischen Zunahme chronischer Krankheiten einher, die eine permanente medizinische Begleitung nach sich zieht.

Typische IoMT-Anwendungen wie das Telemonitoring von Herzfrequenz, Blutdruck, Sauerstoffsättigung, Atemfrequenz oder auch der Medikamenteneinnahme tragen hier nicht nur zu enormen Kosteneinsparungen bei, sie verbessern ebenso die Qualität der Patientenversorgung. Moderne Sensoren sind mittlerweile in der Lage, nahezu jede Körperfunktion rund um die Uhr zu überwachen. Und vernetzt liefern sie wertvolle Gesundheitsdaten, die durch KI und Algorithmus-basierte Analysefunktionen völlig neue Diagnosemöglichkeiten eröffnen.

IoMT als Lebensretter

Das IoMT rettet aber auch Leben. So wären etwa bis zu achtzig Prozent aller Schlaganfälle vermeidbar, würden die Hauptrisikofaktoren arterielle Steifheit, Vorhofflimmern und Bluthochdruck laufend überwacht. Betroffen sind davon in Deutschland jährlich immerhin rund 200.000 Männer und Frauen.

Das Telemonitoring von Biosignalen und anderen Indikatoren reduziert aber nicht nur medizinische Risiken, es verringert zudem die Wahrscheinlichkeit teurer Krankenhausaufenthalte. Eine von der Unternehmensberatung McKinsey in Zusammenarbeit mit der Deutschen Managed Care Association (BMC) erstellte Studie schätzt, dass schon 2018 eine vollständige Digitalisierung des deutschen Gesundheitssystems potenziell bis zu 34 Milliarden Euro Gesundheitskosten eingespart hätte.

Auch durch die Corona-Pandemie erfährt das Wort „Tele“ eine ungeahnte Aufwertung. So birgt jeder Warteraum in Arztpraxen die Gefahr, sich anzustecken. Gerade für Risikopatienten wäre da eine Fernüberwachung etwa bei Routine-Checks angezeigt. Und wer schon von Ärzten und Kliniken abgewiesen worden ist, weil das Risiko einer Infektion höher als die Nichtbehandlung des Leidens ist, wird IoMT-Anwendungen ebenso zu schätzen wissen.

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Herausforderung für Hersteller und Zulieferer

Die Produkte und Geschäftsmodelle der Medizinbranche erleben durch das IoMT eine fundamentale Transformation. Denn es liefert vor allem Daten, welche – richtig verarbeitet – die Basis für neue oder optimierte Dienstleistungen bilden. Für Deloitte wandelt sich durch das „Internet of Medical Things“ sogar das Abrechnungsverständnis von einem, das die Leistung in den Mittelpunkt stellt, hin zu einem nutzenorientierten (Value Based Care).

Eine aktuelle Studie von Fortune Business Insights erwartet bis 2026 einen globalen IoMT-Markt von 142,45 Milliarden US-Dollar bei einer durchschnittlichen jährlichen Steigerungsrate (CAGR) von 28,9 Prozent. Technischer Fortschritt bei gleichzeitiger Zunahme von Produkt-Launches soll den Analysten zufolge diese positive Entwicklung unterstützen.

Als zusätzliche Treiber für IoMT-Lösungen könnten sich auch die von der Europäischen Union erst kürzlich aktualisierten Vorschriften für medizinische Geräte (MDR) herausstellen. Sie fordern stärkere Kontrollen bei der Geräteüberwachung. So schreibt der MDR für alle Medizinprodukte einen eindeutigen Geräteidentifikationscode (Unique Device Identification/UDI) vor, der in die Eudamed-Datenbank eingegeben werden muss. Ziel ist die weltweite Rückverfolgbarkeit von Medizinprodukten bis hin zu ihrem Ursprungsort. Darüber hinaus müssen Hersteller nachweisen, dass ihre Geräte für die Patientenversorgung sicher sind und das in einer zentralen Datenbank protokollieren. Das erfordert zwar nicht zwingend bestimmte technische Anwendungen wie das IoMT, die Umsetzung der Regularien dürfte es aber erheblich erleichtern und beschleunigen.

Fazit

Das IoMT wird einen signifikanten Teil der Kosten- und Zugangsprobleme im Gesundheitswesen lösen. Voraussetzung ist allerdings, dass aus den Daten vernetzter, medizinischer Geräte verwertbare Erkenntnisse für Diagnose und Therapie sowie wettbewerbsfähige Geschäftsmodelle für die Hersteller gewonnen werden. Und auch wenn das Medizinproduktgesetz besonders hohe Sicherheits- und Qualitätsauflagen fordert, bilden IoT-Geräte naturgemäß eine große Angriffsfläche für Hacker und kriminelle Organisationen. Dabei sind besonders im Gesundheitssektor mit seinen sicherheitskritischen Anwendungen und sensiblen Daten die Gefahren immens.

Knowledge Base

Deloitte: Medtech and the Internet of Medical Things (06.2018)

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