Gründer in Deutschland schneller als in USA

Die Corona-Pandemie könnte sich in einigen Branchen als Gründungsbeschleuniger erweisen. Dabei hat Deutschland zumindest was die Geschwindigkeit angeht in einigen Branchen die Nase vorne.

Die Gründungsprozesse in den Branchen „Alternative Energien“ und „Informationstechnologien“ verlaufen in Deutschland schneller als in den USA. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des IfM Bonn und der Universität Utrecht, der eine Befragung von Gründern und Gründerinnen in Deutschland, USA, Italien und Großbritannien zugrunde liegt. Offenkundig wagen diese es hierzulande erst, eine sichere Beschäftigung aufzugeben, wenn ihre Gründungsidee bereits einen gewissen Reifegrad aufweist. Die spätere Umsetzung stößt in dem Fall auf geringere Hemmnisse, was letztlich zu einer Beschleunigung des Gründungsprozesses führt.

Insgesamt dauert es in den untersuchten Branchen in Deutschland im Durchschnitt rund 29 Monate bis aus einer Idee ein Unternehmen entsteht das substanzielle Gewinne erwirtschaftet. Davon entfallen ungefähr zwölf Monate auf die Vorgründungsphase, sechs Monate auf die Realisierungsphase und knapp elf Monate auf die Reifungsphase.

Die Gesamtzeit der Gründung kann jedoch stark variieren. Während einige Neugründungen in den untersuchten Branchen bereits nach wenigen Monaten die Gewinnzone erreichen, dauert es in anderen Fällen mehrere Jahre.

Prinzipiell gilt: Je innovativer ein Geschäftsmodell ist, desto länger zieht sich der Prozess hin. So weisen Gründungen, die auf radikalen Innovationen beruhen, eine fast 16 Monate längere Dauer auf als imitative Gründungen. Denn radikale Innovationen benötigen meist mehr Zeit für die Marktetablierung, da die Produkte bzw. Dienstleistung noch unbekannt sind.

Allerdings basiert nur jede neunte Neugründung in den Bereichen alternativen Energien bzw. Informationstechnologie auf radikalen Innovationen. Etwa jede dritte Gründung optimiert ein bestehendes Produkt oder eine Dienstleistung, jede zweite ist eine Imitation. Da sich diese Geschäftsmodelle aber deutlich schneller auf dem Markt etablieren, sollte ihnen von der Wirtschaftspolitik mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Beschleunigende Wirkung durch Krisen

Inwieweit sich die Corona-Krise aktuell auf das Gründungsverhalten auswirkt, lässt sich aktuell noch nicht absehen. Allerdings verkürzte sich während der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise in 2008/2009 der Gründungsprozess von Unternehmen im Durchschnitt um zehn Monate. Möglicherweise sind Gründer und Gründerinnen in Krisenzeiten etwa aufgrund drohender Arbeitslosigkeit eher bereit, alles schneller auf eine Karte zu setzten.