Digital Health: Medizintechnologien der Zukunft

Der digitale Gesundheitsmarkt nimmt weiter an Fahrt auf. Dabei versuchen sich einerseits die großen Technologieunternehmen mit riesigen Datenmengen zu positionieren. Andererseits eröffnen sich aber auch zahlreiche Chancen für Unternehmen und Plattformanbieter aus dem Gesundheitswesen.

Der menschliche Körper ist ein Wunder. Und für seine Heilung sorgt Medizintechnik, die oftmals ähnlich faszinierend daherkommt wie das perfekte Zusammenspiel von Organen, Knochen, Muskeln und Nerven. Damit ist sie nicht nur Hoffnungsträger für den Einzelnen, sondern Lösung für die Gesellschaft und deren Gesundheitssystem. So verbessern etwa Medizintechnologien für Ältere und chronisch Kranke die Lebensqualität, verlängern aber auch ein selbständiges Leben und die Erwerbsfähigkeit, was wiederum die sozialen Sicherungssysteme entlastet.

Für die Medizintechnikbranche eröffnen sich damit vielfältige Wachstumschancen. Und die Medizinelektronik profitiert davon. So erwartet Industry Research Biz in einer aktuellen Studie vom August dieses Jahres eine Steigerung ihres Umsatzes von derzeit 4390.1 Millionen US-Dollar auf 5123.4 Millionen bis 2026.

Roland Berger sah in einer noch nicht von Covid „gefärbten“ Studie vom Oktober 2019 den Markt für digitale Produkte und Dienstleistungen im Gesundheitswesen bis 2025 auf rund 155 Milliarden Euro wachsen – 38 Milliarden Euro davon allein in Deutschland. Eine Follow-up vom Oktober dieses Jahres korrigiert die Zahlen nun deutlich nach oben. Danach soll sich nun im Vergleich zur letztjährigen Studie das erwartete Wachstum des digitalen Gesundheitsmarktes in Europa bis 2025 auf 232 Milliarden Euro erhöhen- 57 Milliarden Euro davon in Deutschland. Die Experten gehen davon aus, dass die Pandemie den Digitalisierungsprozess der Branche insgesamt um rund zwei Jahre beschleunigt.

Trend Digital Health
Im Vergleich zur letztjährigen Studie hat sich das erwartete Wachstum des digitalen Gesundheitsmarktes in Europa bis 2025 auf 232 Milliarden Euro erhöht, ein Plus von fast 50 Prozent. Bild: Roland Berger

Den größten Schub erwarten die von Berger befragten internationalen Experten von der digitalen Krankheitsprävention und KI-Diagnostik, gefolgt von KI-basierten Therapieentscheidungen. Schon in sechs Jahren könnte ein Fünftel aller ärztlichen Leistungen durch KI abgedeckt sein. Das Marktvolumen für KI-basierte Gesundheits-, Diagnose-und Selbstüberwachungs-Anwendungen soll dann bis 2025 auf 16 Milliarden Euro steigen.

Disruptionsfaktor Technologie

Eine wichtige Rolle in Richtung „maßgeschneiderte Behandlung“ spielen der Berger-Studie zufolge in Zukunft „Digitale Zwillinge“. Diese virtuellen Patienten-Abbilder werden auf Basis der DNA erstellt und ständig mit den Daten der Krankengeschichte aktualisiert. Fachleute erwarten, dass bis 2025 schon 30 Prozent der Patienten in den Genuss individualisierter Behandlungen kommen. Und In 40 Prozent der Fälle würden die digitalen „Doppelgänger“ diese Therapien zuerst gefahrlos simulieren, bevor sie zum Einsatz kommen.

Technologiekonzerne auf dem Vormarsch

Die Digitalisierung erschließt aber nicht nur neue Behandlungskonzepte, sie mischt ebenso die Karten im Gesundheitsmarkt neu. So wächst der Druck auf die etablierten Unternehmen durch branchenfremde Marktteilnehmer wie die großen Technologiekonzerne Amazon, Google und Co., die mit großer Digital- und Technologiekompetenz punkten.

2019 erwarteten noch 61 Prozent der im Rahmen der Berger-Studie befragten Experten, dass die Tech-Giganten bis 2025 ein integraler Bestandteil des Gesundheitssystems sein werden. Aktuelle Umfrageergebnisse zeigen jedoch, dass sich nur zehn Prozent der Patienten mit Vorerkrankungen an diese Unternehmen wenden würden. Damit steigen die Chancen für Unternehmen und Plattformanbieter aus dem Gesundheitswesen, die als Schnittstelle virtuelle und reale Dienstleistungen kombinieren.

Nicht zuletzt verschärfen auch Start-ups den Wettbewerb mit „schnellen“, innovativen Ideen. Positive Marktaussichten sorgen dabei für eine gesicherte Finanzierung – valide Geschäftsmodelle vorausgesetzt. So hat das Risikokapital im Bereich digitale Gesundheit im ersten Halbjahr 2019 weltweit erstmals die 4,5 Milliarden Euro-Marke überschritten.

Knowledge Base

Fraunhofer IPT: „Produktionsstrategien für die Medizintechnik von morgen“

https://www.ipt.fraunhofer.de/de/geschaeftsfelder/LifeSciencesEngineering/produktionsstrategien-fuer-die-medizintechnik-von-morgen.html

BVMed: "Die Zukunft der Medizintechnologie"

https://www.bvmed.de/download/magazin6-zukunft

Roland Berger: „Future of Health: Eine Branche digitalisiert sich – radikaler als erwartet“ (Oktober 2019)

https://www.mynewsdesk.com/material/pressrelease/2934417/download?resource_type=resource_attached_pdf_document

Roland Berger: „Future of Health – Der Aufstieg der Gesundheitsplattformen“ (Oktober 2020)

https://www.rolandberger.com/de/Publications/Future-of-Health-Der-Aufstieg-der-Gesundheitsplattformen.html

Deloitte/GkV: Digitalisierung des Gesundheitsmarktes (September 2019)

https://www2.deloitte.com/content/dam/Deloitte/de/Documents/life-sciences-health-care/Digitalisierung%20des%20Gesundheitsmarktes.pdf

BMBF: Digitalisierung hat die Medizin erreicht

https://www.bmbf.de/upload_filestore/pub/Digitalisierung_in_der_Medizintechnik.pdf

ICCAS Leipzig: Whitepaper zu sicheren KI-Systemen für die Medizin

https://www.plattform-lernende-systeme.de/files/Downloads/Publikationen/AG3_6_Whitepaper_07042020.pdf