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Ingenieurarbeitsmarkt mit Rekordnachfrage

Nach dem Einbruch durch die Corona-Krise erholt sich der Ingenieurarbeitsmarkt deutlich. Noch nie meldete der VDI/IW-Ingenieurmonitor so viele offene Stellen.

In den Ingenieurberufen herrscht Fachkräftemangel. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Allerdings verschärft sich das Problem zunehmend. Im Durchschnitt kommen auf einen arbeitslosen Ingenieur in Deutschland 3,3 offene Stellen.

Seit dem Tiefpunkt der Corona-Krise nahm die Zahl der offenen Stellen in den letzten Quartalen stetig zu. 140.000 waren im vierten Quartal 2021 im Monatsdurchschnitt zu besetzen – der höchste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen des VDI-Ingenieurmonitors im Jahr 2011 und im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Plus von 51,4 Prozent. Die Vakanzen verteilen sich dabei auf knapp 49.000 für Informatiker, 41.700 für Bauingenieure, 19.300 für Ingenieure der Energie- und Elektrotechnik sowie 13.300 für Ingenieure der Maschinen- und Fahrzeugtechnik.

Die stärkste Nachfrage im Jahresvergleich verzeichneten Ingenieurberufe in den Bereichen „Technische Forschung und Produktionssteuerung“ (plus 102,7 Prozent), gefolgt von „Energie und Elektrotechnik“ (plus 98,7 Prozent). Am anderen Ende rangieren die Sektoren „Metallverarbeitung“ (minus 2,0 Prozent) sowie „Rohstofferzeugung und -gewinnung“ (plus 8,5 Prozent).

In naher Zukunft ist wegen der übergeordneten Großtrends Digitalisierung und Klimaschutz mit einer Entspannung nicht zu rechnen. Und laut dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln könnte bis zum Jahr 2023 in Deutschland ein jährlicher Ersatzbedarf von 62.200 MINT-Akademikern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) entstehen.

So rechnet der VDI/IW-Ingenieurmonitor im ersten Quartal 2022 mit einer weiteren Zunahme des Fachkräftemangels, auch wenn im Laufe des Jahres der Krieg in der Ukraine und die damit einhergehende konjunkturelle Abkühlung dämpfend auf den Ingenieurarbeitsmarkt wirken dürfte.

Vor dem Hintergrund gewinnt die Erschließung inländischer Fachkräftepotenziale bei Älteren, Frauen, weiteren Studieninteressierten oder jüngeren Bevölkerungsgruppen an Bedeutung.

Ingenieurausbildung in Deutschland

Ungenutztes Potential findet sich aber ebenso an den Universitäten und Fachhochschulen. So liegt die Zahl ausländischer Studenten auf einem Rekordhoch. Im Wintersemester 2020/2021 waren laut Angaben des Statistischen Bundesamts 416.437 ausländische Studierende immatrikuliert. Ihre Zahl hat sich damit seit der Jahrtausendwende fast vervierfacht. Und im Vergleich zu anderen Fächergruppen stehen die Ingenieurwissenschaften in Deutschland was die Beliebtheit angeht ganz oben.

Leider bricht jedoch nach Schätzungen des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) derzeit knapp die Hälfte (49 Prozent) der internationalen Bachelorstudierenden sowie ein gutes Viertel (26 Prozent) der internationalen Masterstudierenden das Studium in Deutschland vorzeitig ab (im Vergleich zu 27 bzw. 17 Prozent bei deutschen Bachelor- und Masterstudierenden).

Dazu kommt, dass Deutschland zwar nach den USA, Großbritannien und Australien das beliebteste Gastland für Studenten weltweit ist, viele nach dem Studium aber in ihre Heimatländer zurückkehren.

Insgesamt jedoch nahm dem VDI-Ingenieurmonitor zufolge die Zahl der ausländischen Beschäftigten in Informatik- und Ingenieurberufen von 46.489 Ende 2012 auf 93.325 bis Juni 2021 zu. Damit wuchs ihr Anteil von 6,0 Prozent auf 9,5 Prozent. Eine besonders hohe Dynamik weist dabei die Zuwanderung von Indern aus. Arbeiteten Ende 2012 noch 2.120 indische Staatsangehörige in Ingenieurberufen, sind es Ende Juni 2021 bereits 8.198. An zweiter Stelle folgen Italiener (3.175) vor Türken (6.035) und Chinesen (6.365).

Knowledge Base

VDI: VDI-/IW-Ingenieurmonitor
IW: Herausforderung Demografie: Bildung, Zuwanderung und Innovation stärken
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