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Elektroindustrie: Materialmangel bis weit ins nächste Jahr

Die Materialkrise hat die deutsche Industrie weiter fest im Griff. Vor allem die Elektroindustrie und Automobilbranche klagen über Ressourcenknappheit und Lieferengpässe. Und kein Ende in Sicht.

Die Beschaffung von Rohstoffen und Vorprodukten bleibt weiterhin ein großes Problem. Zwar meldet das ifo- Institut im August eine leichte Entspannung, von Entwarnung kann jedoch keine Rede sein. Besonders die Schlüsselbranchen der deutschen Wirtschaft wie der Maschinenbau (85,7 Prozent) oder die Elektroindustrie (80 Prozent) berichten von einem Fortdauern der Materialkrise. Und keine Branche erwartet ein Ende der Lieferprobleme in diesem Jahr.

Halbleiter, Bauelemente oder integrierte Schaltungen

Vor allem elektronische Komponenten, aber auch Stahl und Aluminimum in unterschiedlichsten Ausfertigungen sind Mangelware.

Danach beklagt einer Studie von Katek SE zufolge die Hälfte der befragten Unternehmen vorrangig Engpässe bei Chips und Halbleitern. Fast jede dritte Organisation kämpft mit einem Mangel an integrierten Schaltungen. Und 22 Prozent gaben an, dass eine Unterdeckung bei Produktionsmaterialien wie zum Beispiel Lot sowie kapazitiven und induktiven Bauelementen besteht.

Was im Einzelnen fehlt hängt von der Branche ab. So leidet etwa die Automobilindustrie unter knappen Chips und Halbleitern. Jedes vierte Unternehmen hat außerdem unzureichende Kontingente an Kabelbäumen und Plastik. Maschinenbau und Betriebstechnik mangelt es vorrangig an Halbleitern, gefolgt von Chips und integrierten Schaltungen. Und in der Telekommunikationsindustrie stehen Chips ganz oben auf der Liste, dicht gefolgt von Halbleitern und integrierten Schaltungen. Im Bereich Erneuerbare Energie und Umwelt führen für 55 Prozent der befragten Organisationen Halbleiter und integrierte Schaltungen die Mängelliste an.

Umsatzeinbußen vorprogrammiert

Die Materialkrise führt bei jedem dritten Unternehmen zu Umsatzeinbußen zwischen 10 und 19 Prozent. Ein Fünftel rechnet mit einem Rückgang von 20 bis 29 Prozent. In der Telekommunikationsbranche geben 38 Prozent an, keinen oder lediglich bis zu 9 Prozent Umsatz einzubüßen. Dagegen befürchtet jeweils ein Drittel der Befragten aus der Automobilindustrie 10 bis 19 Prozent bzw. 20 bis 29 Prozent weniger Absatz aufgrund fehlender Teile.

Lockdowns und gebremste Containerschifffahrt

Verantwortlich für die Beschaffungskrise in der Elektronikindustrie ist in der Hauptsache der fehlende Nachschub aus Ostasien. Von dort kommen zwei Drittel aller Chips. Aktuell jedoch führen pandemiebedingte Lockdowns und die angespannte Lage im Seeverkehr zu instabilen Lieferketten nach Europa.

Der Kiel Trade Indicator zeigt, dass sich Engpässe und Staus in der Containerschifffahrt verfestigen. Gegenwärtig stecken rund 11 Prozent aller verschifften Waren fest. So stehen etwa in der Nordsee deutlich über zwei Prozent der globalen Frachtkapazität still und können weder be- noch entladen werden. Alleine in der Deutschen Bucht warten 19 Containerschiffe auf die Löschung ihrer Waren.

Auch die Warteschlangen vor den US-Bundesstaaten South Carolina und Georgia mit dem wichtigen Containerhafen Savannah wachsen. Vor Chinas Häfen sind die Staus dagegen zyklisch bedingt rückläufig. Im Roten Meer jedoch, auf der wichtigsten Seehandelsroute zwischen Europa und Asien, werden aktuell 16 Prozent weniger Waren verschifft, als unter normalen Umständen.

Im Seehandel von Asien nach Nordeuropa bzw. zur Westküste Nordamerikas sind die Frachtraten zwar seit Beginn des Jahres von jeweils über 14.000 US-Dollar pro Container auf etwa 4.000 bzw. 8.000 US-Dollar gefallen. Die Staus verhindern jedoch eine Rückkehr zu den Niveaus vor der Pandemie.

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