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Cost of Vacancy: Leere Schreibtische sind teuer

Auf dem Arbeitsmarkt verschieben sich die Machtverhältnisse. Während Jobsuchende goldene Zeiten erleben, macht sich der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften in den Büchern der Unternehmen bemerkbar.

Die Zahl der offenen Jobs bricht seit Monaten alle Rekorde. Und die Beeinträchtigungen in den Unternehmen durch den Personalmangel erreichen im Juli ein Rekordhoch, so das Ergebnis einer Umfrage des ifo Instituts. Neben Rohstoff- und Energieknappheit ist das Ausbleiben von qualifizierten und mittlerweile von Mitarbeitern überhaupt die dritte ernste Bedrohung für den Industriestandort Deutschland.

Im deutschen Maschinenbau leiden daran 43 Prozent der befragten Organisationen nach 38,7 Prozent im April. Nicht nur ausgebildete Mechatroniker, Mechaniker und IT-Spezialisten fehlen, auch bei gering qualifizierten Beschäftigten beginnt sich eine Mangellage zu etablieren.

Die neueste Umfrage des Münchner Ifo-Instituts im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen unter 1.700 Organisationen zeigt: Mehr als ein Drittel sieht durch den Fachkräftemangel seine Wettbewerbsfähigkeit gefährdet, mehr als die Hälfte fürchtet wegbrechende Wertschöpfungsketten und 82 Prozent bezeichnen den Aufwand für Stellenneubesetzungen als hoch oder sehr hoch.

Stellenangebote auf Rekordniveau

Kein Wunder, dass die Stellenangebote neue Höchstwerte erreichen. So stieg etwa die Zahl der Jobs auf StepStone.de im März verglichen mit dem bereits sehr starken März 2021 noch einmal um 55 Prozent. Und in den nächsten Jahren soll die Zahl der offenen Jobs weiter zulegen, denn die Erwerbsbevölkerung schrumpft dramatisch. Das Problem der Zukunft heißt nicht mehr Arbeitslosigkeit, sondern Arbeiterlosigkeit. Die Machtverhältnisse werden dadurch grundlegend verändert – zugunsten der Arbeitnehmer.

Teure Arbeiterlosigkeit

Schon heute verzeichnen Unternehmen Umsatzeinbußen, weil sie sehr lange brauchen, um offene Stellen zu besetzen. Schnelles Recruiting und langfristige Mitarbeiterbindung wird deshalb entscheidend sein, um die Wettbewerbsfähigkeit in Zeiten von Arbeiterlosigkeit sicherzustellen.

Laut einer aktuellen StepStone-Analyse liegen die Kosten, die eine unbesetzte Stelle verursacht (Cost of Vacancy) bei durchschnittlich 29.000 Euro. In Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitenden beziffert sich ein leerer Schreibtisch sogar auf über 73.000 Euro. Besonders teuer ist es im Gesundheitsbereich, wo die Cost of Vacancy bei durchschnittlich rund 37.700 Euro liegt, gefolgt von der IT (37.300 Euro) und dem Vertrieb (36.600 Euro). Unwesentlich geringere Einbußen fallen im Handwerk (32.600 Euro) und in der Produktion (30.800 Euro) an.

Leider ist die Annahme, dass unbesetzte Stellen zu Budgeteinsparungen führen, noch weit verbreitet. Obwohl schließlich mit jedem fehlenden Mitarbeiter ein bestimmter Anteil des Unternehmensumsatzes verloren geht.

Darüber hinaus stören unbesetzte Stellen den Betriebsfrieden, da sie die Arbeitsbelastung der Belegschaft erhöhen. Eine unterschätzte Gefahr, wie eine Studie von Stepstone zeigt. Danach spielen rund 15 Millionen Arbeitnehmer in Deutschland mehrmals pro Woche mit dem Gedanken an einen Jobwechsel.

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