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Beendet Covid den Ingenieur-Boom?

Die Zahl der Stellenangebote für Ingenieure fällt auf ein Allzeittief. Besonders betroffen davon ist seit Anfang des Jahres der Fachbereich Elektrotechnik.

Das Virus hat die Wirtschaft und das gesellschaftliche Leben völlig verändert – mit zum Teil drastischen Auswirkungen auf den Fachkräftebedarf. Fast überall sind Jobprofile von der Pandemie betroffen, wie der DEKRA Arbeitsmarkt-Report 2021 ergeben hat. Er untersucht seit 2008, welche Fachkräfte am häufigsten gesucht werden und in welchen Tätigkeitsbereichen Arbeitgeber einen besonderen Bedarf haben.

Dieses Mal sind Elektroniker/innen in der Industrie und im Handwerk an die Spitze aller Berufe zurückgekehrt. Auch der Tätigkeitsbereich Vertrieb gehört momentan nicht zu den größten „Sorgenkindern“ von Recruiting-Abteilungen. Arbeitgeber benötigen hier vor allem Personal für die Kundenbetreuung und Beratung. Allerdings sind Vertriebsberufe, die in der Vergangenheit oft weit vorne lagen, im Ranking zurückgefallen. Kein Wunder, Messen und andere Veranstaltungen finden bestenfalls online statt. Auch dürfte die Fluktuation im Vertrieb derzeit niedriger sein als gewohnt. Dies hat dazu geführt, dass sich der Anteil der Vertriebsberufe an der Gesamtstichprobe auf seinem Tiefststand befindet (9,3 Prozent). Dennoch: Wer im Vertrieb auf Jobsuche ist kann weiterhin unter vielen Angeboten wählen.

Profis für komplexe IT-Landschaften gesucht

Jede zehnte Offerte richtet sich an IT-Fachkräfte. Nur 2018 lag der Anteil an Stellenangeboten in diesem Einsatzbereich noch höher. Bedarf besteht hier weiterhin im Bereich Softwareentwicklung (28 Prozent), auch wenn er es aktuell „nur“ auf den fünften Platz schafft. Mit Position 11 (2020: 18) konnten Systemadministratoren/innen Plätze gut machen. Das Homeoffice und die damit verbundene gestiegene Betreuung der IT-Systeme spielt dabei sicher eine Rolle.

Ende des Ingenieurbooms?

Ins Auge fällt dagegen das Allzeittief bei Ingenieurstellen. Nur noch gut jedes zwanzigste Angebot richtet sich an Jobsuchende mit entsprechendem Abschluss. Dabei hat die Fachrichtung Architektur und Bauingenieurwesen das Rennen klar für sich entschieden: Eine von drei Ingenieurstellen geht an sie (2020: 24,0 Prozent). Die Elektrotechnik sowie Maschinen- und Fahrzeugtechnik folgen mit großem Abstand (20,8 bzw. 13,7 Prozent). Beide liegen so weit hinten wie nie (Plätze 23 und 33).

Auch der aktuelle Hays-Fachkräfte-Index sieht einen gesunkenen Bedarf etwa an Entwicklungsingenieuren im Maschinenbau, für Hardware, Elektrotechnik und für Antriebstechnik. Qualitäts- und Fertigungsingenieure zählen dagegen zu den Gewinnern. Verantwortlich für die Rückgänge dürfte der massive Strukturwandel in der Automobilindustrie und die allgemein gedämpfte Nachfrage nach maschinenbaulichen und elektrotechnischen Erzeugnissen gewesen sein.

Führungskräfte jedoch finden sich nach wie vor in einer privilegierten Position. An sie richtet sich laut DEKRA jedes zehnte Stellenangebot (10,3 Prozent). Bei gut jedem fünften Gesuch mit Führungsaufgaben handelt es sich um eine Projektleitungsposition (22,1 Prozent). Auch Jobsuchende auf eine Teamleitung haben jetzt noch bessere Chancen als in den vergangenen fünf Jahren (17,8 Prozent).

VDMA bangt um Nachwuchs

Ganz zu Ende scheint die Ära der Ingenieure im Land der Ingenieure allerdings nicht zu gehen. So spricht der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) zwar auch von einer konjunkturell bedingten Abflachung der Nachfrage was Ingenieure/innen betrifft. Die Berufsaussichten hält der VDMA aber mittel- bis langfristig für gut. Besorgt zeigt er sich allerdings über sinkende Zahlen bei den Studienanfängern in den Fächern Maschinenbau, Elektrotechnik und Informatik während der Corona-Krise. Im Maschinenbau ging die Zahl der Erstsemester dem Statistischen Bundesamt zufolge um 9,6 Prozent zurück, 14,5 Prozent weniger Studienanfänger verzeichnete das Fach Elektrotechnik. Die Informatik - in den letzten Jahren mit stark steigenden Studierendenzahlen - verzeichnete erstmals seit 2012 einen Rückgang um 4,8 Prozent.

Auch hier dürften die Gründe „pandemischer“ Natur sein. Schließlich verzeichnen Ingenieurwissenschaften traditionell einen hohen Anteil an ausländischen Studierenden - im Wintersemester 2019/2020 waren es 28 Prozent. Und die schieben aktuell ihre Studienpläne in Deutschland auf oder sehen ganz davon ab.

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